Klaus Schüling & Antje Friedel

Spieler: 1984

  • Position: Offensive Tackle

Schiedsrichter: 1984-1985

Vorstand: (1983-1986)

  • Kassierer
  • Stadionzeitung

Wie das Mammut nach Münster kam

Klaus erinnert sich an die Gründungsjahre der Münster Mammuts

Dass American Football einmal einen wichtigen Teil meines Lebens ausmachen würde, war Anfang der 1980er-Jahre alles andere als abzusehen. Eigentlich hatte ich mit diesem Sport überhaupt nichts zu tun.

1982/83 verbrachte ich als Schüler einige Zeit in den USA. Dort blieb ich sportlich allerdings bei dem, was ich kannte, und spielte europäischen Fußball. American Football erlebte ich hauptsächlich im Fernsehen. Interessant fand ich das schon, aber auf die Idee, diesen Sport selbst zu spielen, kam ich damals nicht.

Das änderte sich erst nach meiner Rückkehr nach Deutschland – und eher durch Zufall.

Zum Wintersemester 1983 begann ich mein Studium an der Universität Münster. Zu dieser Zeit war ich für ein Schulprojekt mit Engländern auf der Suche nach Rugbyspielern. Meine Suche führte mich zum Hochschulsport und dort wiederum zu einer Gruppe, die Flag Football spielte.

Aus diesen Begegnungen entstand bald der Gedanke, es nicht beim Flag Football zu belassen. Wir wollten versuchen, richtigen American Football in Münster auf die Beine zu stellen. Eine treibende Kraft dabei war Michael Schneider. Er hatte während eines Collegejahres in den USA selbst Football gespielt und verfügte deshalb über Erfahrungen, die für uns besonders wertvoll waren.

Viele waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Trotzdem beschlossen wir im Dezember 1983, einen Verein zu gründen. Als eingetragener Verein würden wir bessere Möglichkeiten haben, Sportanlagen zu nutzen, Unterstützung zu bekommen und unserem Vorhaben eine feste Grundlage zu geben.

So entstand der „1. American Football Club Münster Mammuts“.

Auf das „1.“ im Namen legten wir durchaus Wert. Es sollte deutlich machen, dass wir die Ersten waren, die in Münster einen Verein für American Football gegründet hatten. Was später auch kommen mochte – das konnte uns niemand mehr nehmen.

Nun brauchte der junge Verein natürlich noch ein Gesicht. Bei den Farben war Michael Schneider sehr überzeugend: Wenn wir für Münster spielten, sollte man diese Verbindung auch erkennen. Deshalb orientierten wir uns an den Farben der Stadt.

Beim Vereinsnamen war die Sache schwieriger. Wie bei vielen Footballmannschaften sollte es am besten ein Tier sein. Nur welches Tier passte zu Münster? Schließlich kamen wir auf das Mammut. Im Museum war das Skelett eines Mammuts ausgestellt, und „Münster Mammuts“ klang durch die Alliteration einfach gut. Damit war der Name gefunden.

Auch bei den weiteren Schritten halfen uns Menschen aus Münster. Das Logo entwarf Alexander Licht, den Druck finanzierte Sport Brinkmann. Die Eintragung bei Gericht wickelte ausgerechnet Dr. Rainer Klimke als Notar für uns ab. Der erfolgreiche Pferdesportler war damals auch für Vereine eine gern genutzte Anlaufstelle.

Für den Aufbau der Mannschaft war Gerd Kaiser enorm wichtig. Gerd war Jurist, spielte in der Defense und besaß ein bemerkenswertes Organisationstalent. Wenn er jemanden um etwas bat, war ein „Nein“ nur schwer durchzuhalten. Auf diese Weise brachte er auch immer wieder neue Leute zu uns, darunter W. Pohl, Holger Schon und Ralf Dahlhoff.

Überhaupt kamen bei den Mammuts Menschen aus ganz unterschiedlichen Richtungen zusammen. Es gab keinen bestimmten Typ, der zu uns passen musste. Jedes Körperformat war passend. Entscheidend war die Begeisterung für diesen für Münster noch völlig neuen Sport.

Und dann standen wir vor einem sehr praktischen Problem: Wir wollten American Football spielen – aber woher bekamen wir eigentlich die Ausrüstung?

Internet und Online-Shops gab es natürlich nicht. In einem American-Football-Magazin fanden wir schließlich einen Hinweis auf Rehfeld, ein Fachgeschäft in Wuppertal. Also machten wir uns eines Tages auf den Weg dorthin und besorgten für ungefähr 15 Spieler die notwendigen Uniformen und Ausrüstungsgegenstände.

Diese Fahrt ist mir noch aus einem anderen Grund gut in Erinnerung geblieben. Ich hatte meinen Kater dabei – und der saß während der Autofahrt auf meiner Schulter.

Es waren eben besondere Zeiten.

Eine große Hilfe für unsere sportliche Entwicklung ergab sich durch den Kontakt zu Amerikanern vom Standort Handorf. Einige von ihnen kamen zu uns und brachten ihr Wissen über Football mit. Das hat uns natürlich enorm nach vorne gebracht. Vieles, was wir uns bis dahin mühsam aneignen mussten, konnten sie uns aus eigener Erfahrung vermitteln.

Zu ihnen gehörte Larry Scruggs, der bei uns Middle Linebacker spielte. Larry blieb auch nach seiner Soldatenzeit in Münster, heiratete seine deutsche Frau und lernte später bei Pinkus das Brauereihandwerk. Aus der Verbindung über den Football wurde für ihn damit auch eine dauerhafte Verbindung zu Münster.

Parallel versuchten wir, rund um die Mannschaft ein Vereinsleben aufzubauen. Eine Zeit lang bemühten sich fünf oder sechs Frauen um eine Cheerleadergruppe, darunter Antje Friedel und Sabine Brinkmann, die Tochter von Sport Brinkmann. Das hielt sich allerdings nicht dauerhaft und schlief nach einiger Zeit wieder ein.

Auch unsere Trainingsbedingungen waren in den ersten Jahren alles andere als luxuriös. Einen festen Platz, den wir unser Zuhause nennen konnten, hatten wir nicht. Die ersten Spiele trugen wir in Uni-Nähe am Horstmarer Landweg aus. Zum Training waren wir dagegen ständig in Münster unterwegs: auf der Sentruper Höhe, in Hiltrup, später in Gremmendorf und auch in Coerde auf einem Nebenplatz am Wald.

Manchmal durften oder konnten wir nicht einmal die Umkleidekabinen benutzen. Dann wurde eben improvisiert. Wir stellten die Autos auf dem Parkplatz ab, öffneten die Kofferräume und zogen uns dort um. Für uns gehörte das damals einfach dazu.

Anfang 1984 kam auch Burri zu uns, den ich über Gereon und Nick Steffens kannte. Nach und nach wurde aus der kleinen Gruppe eine richtige Footballmannschaft.

Wie schnell sich alles entwickelte, zeigte sich schon Anfang 1984. Gerade erst hatten wir den Verein gegründet, da stand bereits der erste internationale Auftritt an. Wir fuhren zu einer Art Turnier nach Den Haag. Jedes Team bestritt dort ein Spiel.
Unser Gegner kam aus London. Und wir gewannen!

Für uns war das natürlich etwas Besonderes. Wenige Monate zuvor hatten wir noch darüber nachgedacht, wie wir überhaupt eine Mannschaft zusammenbekommen sollten. Nun waren wir ins Ausland gefahren und hatten dort unser Spiel gewonnen.

Andere Partien blieben aus ganz anderen Gründen im Gedächtnis. So zum Beispiel der 11. April 1985. In der Pre-Season spielten wir gegen die Red Barons. Es waren gerade einmal drei Grad, der Platz war matschig, und die Bedingungen waren alles andere als angenehm. Wer an diesem Tag auf dem Feld stand, bekam einen ziemlich eindrucksvollen Eindruck davon, wie ungemütlich Football sein konnte.

In diesen Jahren gingen die Wege mancher Gründungsmitglieder bereits weiter. Gerd Kaiser zog später nach Bielefeld und trug seine Begeisterung für den Sport dorthin. Er gehörte zu den Gründern der Bielefeld Bulldogs.

Bei uns in Münster zeigte sich unterdessen, dass Football langsam auch bei Jüngeren Interesse weckte. 1986 hatten wir bereits einige Jugendliche dabei. Ich gehörte zu denen, die sich um ihr Training kümmerten. Für mich war das eine schöne Entwicklung: Nur gut zwei Jahre zuvor hatten wir selbst ganz am Anfang gestanden, und nun konnten wir unsere ersten Erfahrungen bereits an Nachwuchsspieler weitergeben.

Doch 1986 wurde für mich persönlich auch zu einem Wendepunkt.

Ich erkrankte in diesem Jahr. Gleichzeitig gab es innerhalb des Vereins einige Meinungsunterschiede. Beides zusammen führte schließlich dazu, dass ich den Verein verließ.

Damit endete meine Zeit als aktives Mammut – knapp drei Jahre, nachdem ich eigentlich nur auf der Suche nach ein paar Rugbyspielern für ein Schulprojekt gewesen war.