Spieler: 1988 -2003 (mit Unterbrechungen)

  • Position: O-Line
  • Nummer: 60
  • Offense MVP 1992

Vorstand:

  • Schriftführer (2003)

Spitzname: Daulinger

Von Crossblocks, Powerpads und einer großen Football-Liebe

Aufgewachsen bin ich am nördlichen Rand des Ruhrgebiets – mit einer Affinität für alles Amerikanische, inklusive Englisch-LK. Mein Vater hatte die Zeitschrift GEO abonniert, und in einem Heft gab es einen Artikel über die Dallas Cowboys. Der hat mich sofort fasziniert. Leider gab es in unmittelbarer Nähe meines Wohnortes keine American-Football-Mannschaft.

Nach dem Abi habe ich dann mit zwei Freunden, bevor es zur Bundeswehr ging, für drei Monate die Westküste der USA bereist. Wir besuchten diverse Highschool-Footballspiele und verwirrten die Amis mit deutschen Fangesängen. Besonders gut gefielen mir die Footballkultur und die Art, wie der Schulsport gerade auf dem Land in die örtliche Gemeinschaft integriert war.

Nach dem Militär hat es mich 1988 nach Münster verschlagen – zu einem erfolgreich abgebrochenen Lehramtsstudium in Englisch und Geschichte. Ich habe halt lieber trainiert als studiert und meine Zeit sinnvoll mit meinem Buddy Andreas G. verbracht – legendärer Defensive End und QB mit dem Spezialspielzug „18 Keep“.

Anfangs wog ich so um die 80 Kilo. Keine Ahnung, welcher Schlaumeier damals meinte, dass ich O-Line spielen sollte. Zu meinen Hochzeiten brachte ich dann 110 Kilo auf die Waage, und für unsere Ligen hat es gereicht. Als Left Tackle war ich ziemlich schnell.

Mein liebster Nebenmann war Ox. Wir haben feine Crossblocks gemacht. Einmal haben wir im Training Matthes schön wie einen Käfer auf den Rücken gelegt – Mann, hat der große Augen gemacht! Wenn der Spielzug nicht über unsere Seite ging, haben wir eben selbstständig Linebacker gescheucht. Ausgeklügelte Spielzüge gab es nur teilweise. Einem Running Back mussten wir sogar während eines Spiels erklären, wie wir die Löcher spielen.

Training war ohnehin so eine Sache. Wenn wir Glück hatten, waren wir genug Leute für ein Scrimmage. Wichtig war vor allem das Erlernen der richtigen Technik beim Blocken und Tackeln. Dinge wie Blockschlitten oder Dummies hatten wir nicht. Jedes Training wurde mit Omaha Drills oder „Bull in the Circle“ beendet.

Bei einem dieser Drills bekam ich einmal einen solchen Hit, dass mir meine mit einem Band gesicherte Sportbrille aus dem Helm flog. Seitdem habe ich ohne Brille gespielt. Helmet-to-Helmet war damals üblich. Nach jedem Spiel wurde geschaut, ob am Helm neue Farbe oder neue Riefen dazugekommen waren. Jan Bernd T. sagte einmal: „Das Ziel ist nicht der Helm des Gegners, sondern der Meter dahinter.“ Mit dem heutigen Wissen bin ich froh, dass ich noch gut beieinander bin – toi, toi, toi.

Zu der Zeit gab es nur wenige Läden, in denen man Footballausrüstung kaufen konnte. Auf einen Tipp von Buri bin ich nach Köln gefahren und habe mir dort meine erste Ausrüstung gekauft: einen Helm von Rawlings – ein rotes Gitter gab es nicht, die Auswahl war ohnehin bescheiden – und irgendein Highschool-Pad.

Nachdem mir Larry beim Training so richtig die Schulter massakriert hatte, kaufte ich bei besagtem Händler ein recht teures, aber erheblich besseres Donzis-College-Pad. Überhaupt waren wir damals angezogen wie Robocop: Monsterpads, Riesenpolster, kombinierte Hand- und Unterarmschoner, Schienbeinschoner – dies, das. Vor jedem Spiel wurden wir auch noch von den Schiedsrichtern geprüft.

Nick besorgte sich irgendwann aus den Staaten ein Powerpad. Andreas und ich bekamen dann spitz, dass es in Darmstadt einen Laden gab, der ebenfalls Powerpads verkaufte. Also sind wir hingefahren. Andreas konnte seins gleich mitnehmen, meins kam später per Post. Das waren damals Tagesausflüge, nur um an vernünftiges Equipment zu kommen. Natürlich alles selbst bezahlt.

Irgendwann habe ich den ganzen klobigen Kram in den Vereinsbestand übergeben und mir meine Pads einfach aus einer Isomatte zugeschnitten.

Des Öfteren trafen wir uns an der Weseler Straße zu den Auswärtsfahrten und hofften, dass genug Spieler auftauchen würden, damit wir überhaupt losfahren durften. Wir haben sogar Verletzte in Uniform gesteckt, nur um die notwendige Spielerzahl zu erreichen.

Buri war einer der Ersten, der ein Mobiltelefon hatte. Der versuchte dann noch, irgendwo Menschen zu organisieren, damit wir überhaupt starten konnten. Ich erinnere mich, dass wir unseren Receiver Andreas W. einmal irgendwo halb betrunken eingesammelt haben.

Ich durfte so einige Spiele auf beiden Seiten des Balls bestreiten. Defensive End hat auch Spaß gemacht.

Aufgestellt wurde also eher nach Anwesenheit als nach Trainingsleistung.

Herrlich war es auch, vor den Spielen unseren HB Männchen zu beruhigen und nach seinem Bananenbeutel zu suchen.

Huddles waren bei uns eher Diskussionskreise. Schnickschnack wie Audibles haben erst unsere Holländer eingeführt. Die Spielzüge waren, wie gesagt, eher einfach gehalten. Besonders schlimm waren die Huddles mit jenem von Ox beschriebenen QB, der seine Tasche grundsätzlich nie auspackte. Seine Begründung: Dann würde er nicht gesackt oder getackelt werden, weil er so stinke.

Ox heißt übrigens Ox, weil er Andreas G. an John Candy als Dewey „Ox“ Oxberger in „Ich glaub’, mich knutscht ein Elch!“ erinnert. Dazu das legendäre Zitat: „Ich bin eine böse, drahtige Kampfmaschine.“

Ich bin außerdem stolzes Mitglied der „Bundies“. Voraussetzung für die Mitgliedschaft: Man musste O-Liner sein. Wir hatten sogar eigene T-Shirts. Benannt waren wir natürlich nach Al Bundy und importierten dessen Familien-Huddle: „Ooooo Bundy!“

Als Randsportart haben wir uns auch gut mit der anderen amerikanischen Randsportart Baseball verstanden. Über Ox und die Szene kannte man sich ohnehin von Partys und aus den damaligen Locations. Ein paar Mal hatten wir gemeinsame Events mit den „Stöckchenschlägern“. Grüße gehen raus an Condor, Arnd und die Cardinals!

Es gab viele unglaublich tolle Momente. Buri hat es geschafft, dass wir in Kinderhaus eine Tribüne mit mehr als 300 Zuschauern hatten. Zum Jubiläum haben wir sogar im Preußenstadion gespielt.

Es war eine tolle Zeit.

Inzwischen habe ich zwei Bonuskinder, die seit ihrer Jugend Football spielen. Einer von ihnen hat es sogar bis in die ELF geschafft. Es ist schön zu sehen, dass das zarte Pflänzchen American Football langsam gedeiht – und dass ich heute der nächsten Generation beim Spielen zuschauen darf.

Besonders stolz bin ich darauf, mein gesamtes Football-Leben für nur einen Verein gespielt zu haben.
Münster Mammuts forever.